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Grundlagen

Carbon Farming: Was ist das und wie funktioniert es?

Carbon Farming bezeichnet landwirtschaftliche Praktiken, die gezielt CO₂ aus der Atmosphäre in Böden und Pflanzen binden. Deutschland hat enormes Potenzial — wenn die Dokumentation stimmt.

Was ist Carbon Farming?

Carbon Farming (auch: regenerative Landwirtschaft mit Kohlenstoff-Fokus) bezeichnet Anbaumethoden, die darauf abzielen, organischen Kohlenstoff im Boden langfristig zu speichern. Wenn Böden mehr Kohlenstoff aufnehmen als sie abgeben, werden sie zu sogenannten Kohlenstoffsenken (Carbon Sinks).

In Deutschland bindet landwirtschaftlicher Boden derzeit etwa 50–80 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr — könnte aber durch gezielte Maßnahmen deutlich mehr speichern. Das Potenzial liegt bei zusätzlich 20–30 Millionen Tonnen CO₂ jährlich.

Carbon Farming Maßnahmen

Folgende Maßnahmen sind wissenschaftlich belegt und in Förder- und Zertifizierungsprogrammen anerkannt:

  • Zwischenfruchtanbau (Humuskoeffizient: +0,1 bis +0,3 kg Corg/kg TM)
  • Mulchsaat und Direktsaat (reduzierter CO₂-Verlust durch Bodenbearbeitung)
  • Organische Düngung mit Kompost oder Festmist
  • Agroforst-Systeme (Bäume und Acker kombiniert)
  • Grünlanderhalt und extensive Grünlandbewirtschaftung
  • Kalkung (stabilisiert Humus durch pH-Anhebung)
  • Biogasrückstände als Dünger statt Mineraldünger

Wirtschaftliches Potenzial: Carbon Credits

Landwirte, die Kohlenstoff nachweislich binden, können Carbon Credits verkaufen. Ein Carbon Credit entspricht einer Tonne CO₂-Äquivalent. Aktuelle Marktpreise:

  • • Freiwillige Märkte (VCS, Gold Standard): 20–60 €/t CO₂
  • • EU CRCF (ab 2027): erwartet 40–100 €/t CO₂
  • • Premium-Abnehmer (Corporate Net-Zero): 80–150 €/t CO₂

Bei einem Bindungspotenzial von 1–2 t CO₂/ha/Jahr und 50 ha Betriebsfläche ergibt das rechnerisch 2.000–6.000 € zusätzlichen Jahreserlös.

Anforderungen für die Zertifizierung

Für CRCF-konforme Carbon Credits sind laut EU-Verordnung (CRCF 2024/3012) folgende Nachweise erforderlich:

  • • Regelmäßige Bodenproben (mindestens alle 3–5 Jahre)
  • • Dokumentation aller humusaufbauenden Maßnahmen
  • • Quantifizierung der CO₂-Bindung nach anerkannter Methode
  • • Additionalität: Nachweis, dass die Maßnahmen über gesetzliche Pflichten hinausgehen
  • • Permanenz: Mindest-Bindungsdauer von 5–20 Jahren

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